Eifriede Berbalk (auch Elfriede, auch Eilfriede, „Bimini“) legte 1924 als erste Frau Österreichs die Meisterprüfung im Silberschmiedegewerbe ab und betrat damit den Boden einer Männerdomäne. Was heute keine Überraschung mehr ist und es heute in ihrer Familie bereits Silber- und Goldschmiedinnen in 3. Generation gibt, war damals eine kleine emanzipatorische Revolution.

Das Handwerk erlernte Ei. Berbalk als Lehrling u. a. bei Josef Hoffmann (1870-1956) in der Wiener Werkstätte, wo sie ab 14.4.1923 auch eine Stelle fand. Bald darauf jedoch musste die Wiener Werkstätte schließen. Doch Ei. Berbalk setzte ihr Karriere fort und wurde so auch Leiterin der Abteilung Metall der Modeschule Hetzendorf.

Als Mitglied des Österreichischen Werkbundes erhielt sie außerdem am 15. Nov. 1930 das Diplom der goldenen Kunstmedaille der Internationalen Ausstellung Monza (Mitteilungen des Österreichischen Werkbundes, in „Die Form“ Zeitschrift für gestaltende Arbeit, 5. Jahr, Heft 21/22, 15. November 1930, Verlag Hermann Reckendorf G.M.B.H., Berlin, SW 48)

Zuckerzange von Eifriede Berbalk, um 1925/30

Neben Ei. Berbalk zählen auch die Frauen Christa Ehrlich (1903-1995), ebenfalls bei der Wiener Werkstätte ausgebildet, Martha Flüeler-Haefli (1902- 1983), Marga Jess  (1885-1953), Emmy Roth (1885- 1942), Paula Straus (1894-1943), Elisabeth Treskow (1898-1992) und Erna Zarges-Dürr, die in Deutschland und in der Schweiz tätig waren, zu den Silber- und Goldschmiedinnen der ersten Stunde. Daran bemerkenswert war, dass sie sich nicht nur mit der Herstellung von Schmuck beschäftigten, sondern mit der teils seriellen Herstellung von Gebrauchsgegenständen und Luxusartikeln. Die schwere körperliche Arbeit, die zur Umsetzung dieser Entwürfe zeitweise nötig war, war bis dahin selten in Frauenhand gewesen.

Ei. Berbalk schuf Schmuck, teils emailierte Dosen, Schalen, Teeservices und andere Gebrauchsgegenstände. Zwei ihrer Arbeiten finden Sie momentan bei uns im Auktioneum. Es sind eine Schale mit Glaseinsatz und eine Zuckerzange. Ihre Entwürfe wirken modern und zeitlos und zeigen sachliche Einfachheit, technische Perfektion und hohe Funktionalität.

Ihre Kolleginnen arbeiteten in die gleiche stilistische Richtung und behaupteten sich unabhängig von den Vertretern des Weimarer Bauhaus. Sie schufen sachliche Formen ohne das applizierte Dekor früherer Jahrhunderte. Nach dem 1. Weltkrieg und im Zuge der Wirtschaftskrise kam man vom üppigen Tafelgeschirr ab und konzentrierte sich auf die Ausführung von Einzelgeräten. Nicht massige Jardinieren und mehrstöckige Tafelaufsätze, sondern Dosen, Vasen, Kerzenhalter, Obstschalen und Kannen rückten in das kreative Zentrum der Silberschmiedinnen.

Die Bedeutung der Gestalterinnen und ihre Erfolge gerieten jedoch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 rasch in Vergessenheit. Die jüdischen Künstlerinnen Emmy Roth und Paula Straus erwartete ein grausames Schicksal. E. Roth nahm sich 1942 in Tel Aviv das Leben, P. Straus wurde 1943 in Auschwitz ermordet.

Um so mehr freut es uns, Stücke der Silberschmiedemeisterin E. Berbalk, die für eine ganze Riege an hoch begabten und mutigen Frauen stand, im Auktioneum zu haben.

 

 

Eifriede Berbalk (also Eilfriede, also Elfriede, „Bimini“) was the first Austrian women, who passed the master’s exam as a silversmith in 1924 and thus entered a male domain. What’s no surprise today anymore, as there are female silver- and goldsmiths of the 3rd generation today, truely was a small emancipatory revolution at that time.

E. Berbalk learnt the craft as an apprentice in the Wiener Werkstätte, where one of her teachers was Josef Hoffmann (1870-1956). From 14th of April 1923 on she also worked for the Wiener Werkstätte until they were forced to close because of financial reasons. Anyway E. Berbalk continued her career and at some point even became head of the department „Metal“ of the Hetzendorf Fashion School.

Sugar tongs, by E. Berbalk, around 1925/30

On November 15th, 1930, as a member of the Austrian Werkbund she also received the diploma of the Golden Medal of the International Exhibition of Art Monza (Information of the Austrian Werkbund, in „The Shape“ magazine for formative work, 5th year, No. 21/22, 15th November 1930, Verlag Hermann Reckendorf GMBH, Berlin, SW 48)

Besides E. Berbalk there were other women-silver- and goldsmith- pioneers such as Christa Ehrlich (1903-1995), who also received her education in the Wiener Werkstätte, Martha Flüeler-Haefli (1902- 1983), Marga Jess (1885-1953), Emmy Roth (1885- 1942), Paula Straus (1894 -1943), Elisabeth Tresckow (1898-1992) and Erna Zarges-Dürr, who worked mainly in Germany and in Switzerland. The remarkable fact about them was that they have not only been working in the production of jewelry, but also on serial production of consumer goods and luxury items. The strenuous physical work, which was at times necessary for the realization of these designs had been rarely in women’s hands.

E. Berbalk‘s creations include jewelry, partly enameled boxes, trays, tea sets and other articles of daily use. Two of her works can be found currently in our Auktioneum. You may find a bowl with glass insert and sugar tongs. Her designs are modern and timeless and show factual simplicity, technical perfection and high functionality.

Her female colleagues were working in the same stylistic direction and held their own position regardless of the representatives of the Weimar Bauhaus. The women- gold- and silversmiths created factual forms without the applied décor of earlier centuries. After the 1st World War and during the economic crisis, artists moved away from sumptuous tableware and focused on the realization of individual objects. Neither massive jardinières nor large centrepieces, but vases, candle holders, fruit bowls and pitchers moved into the focus of the female artisans.

The importance of those women and their success however, was rapidly forgotten after the seizure of power by the Nazis in 1933. The Jewish artisans Emmy Roth and Paula Straus had a cruel fate. E. Roth took her life in 1942 in Tel Aviv, P. Straus was murdered in Auschwitz in 1943.

All the more the Auktioneum Team is pleased to have pieces of silversmith master E. Berbalk, whose works represent a  group of highly talented and courageous women.

Text: Nastasja Stupnicki

Fotos: Quintus Moucka


 

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